ZAZ Bellerive Zentrum Architektur Zürich

Das 2017 eröff­ne­te Zen­trum Archi­tek­tur Zürich in der Vil­la Bel­le­ri­ve am Zürich­see wur­de zu einem wich­ti­gen Ort der Dis­kus­si­on und der Ver­brei­tung von Wis­sen. Das Depar­te­ment Archi­tek­tur ist eine von vier Trä­ger­schaf­ten des Zen­trums, und ermög­licht es so, für span­nen­de Pro­jek­te ein brei­te­res Publi­kum jen­seits der Hoch­schu­le anzu­spre­chen. Die Dozen­tur Sozio­lo­gie betei­ligt sich bei ver­schie­de­nen Aus­stel­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen. Seit Beginn ist Chris­ti­an Schmid im Vor­stand des Zentrums.

 

Nach Zürich: Kon­tro­ver­sen zur Stadt – ein Anarchiv

Die­se Aus­stel­lung beleuch­te­te fünf Mei­len­stei­ne der Stadt­ent­wick­lung, die für Debat­ten, Kon­tro­ver­sen und Kon­flik­te gesorgt haben und die bis heu­te das Bild Zürichs prä­gen. Damit wur­de die Aus­stel­lung auch zum Aus­gangs­punkt für die Dis­kus­si­on bren­nen­der aktu­el­ler Fragen.

(I) Die Neu­ori­en­tie­rung der auf­stre­ben­den Indus­trie­stadt vom Fluss zum See erfolg­te ab 1882 mit dem Bau der See­an­la­gen, die bis heu­te den wich­tigs­ten Begeg­nungs- und Frei­raum Zürichs bil­den. (II) Mit­ten im Ers­ten Welt­krieg begann Zürich ein «Gross-Zürich» zu pla­nen, das von den 1920er bis in die 1950er Jah­re vom «Roten Zürich» mit gar­ten­stadt­ar­ti­gen genos­sen­schaft­li­chen Woh­nungs­bau­ten rea­li­siert wur­de. Bis heu­te bil­den die­se Sied­lun­gen einen unab­ding­ba­ren Bestand an guten und erschwing­li­chen Woh­nun­gen. (III) Die unvoll­ende­te Moder­ne: In den 1950er und 1960 Jah­re Jah­ren bedeu­te­te Städ­te­bau vor allem Ver­kehrs­pla­nung. Ein Express­stras­sen-Ypsi­lon mit­ten durch die Innen­stadt, Tan­gen­ten, eine U‑Bahn und auch eine gros­se City-Erwei­te­rung rund um die Lang­stras­se wur­den geplant, hef­tig bekämpft und oft an der Urne abge­lehnt. (IV) Im Ver­lauf der 1970er Jah­re wur­den die bewahr­ten inner­städ­ti­schen Block­rand­quar­tie­re ent­lang der Lang­stras­se als urba­ne Orte wie­der­ent­deckt, bald aber auch durch Auf­wer­tungs­mass­nah­men und Gen­tri­fi­zie­rung erneut bedroht. Die­ser Teil der Aus­stel­lung wur­de von der Dozen­tur Sozio­lo­gie bei­gesteu­ert. (V) Die Eröff­nung der Zür­cher S‑Bahn mach­te Zürich 1990 zur Regi­on, die sich mit der vor­an­schrei­ten­den gross­flä­chi­gen Urba­ni­sie­rung zum heu­ti­gen Metro­po­li­tan­raum ausdehnte.

 

Urba­ne Räume

Die­se Aus­stel­lung brach­te vier ver­schie­de­ne zeit­ge­nös­si­sche Zugän­ge auf das Städ­ti­sche: (1) Die Foto­gra­fin und Künstlerin Meret Wan­de­ler zeig­te, wie die Spie­ge­lun­gen der Fens­ter­schei­ben von Büros im Erd­ge­schoss den urba­nen Raum ver­än­dern, indem sich die Archi­tek­tur der Stadt auf sich selbst pro­ji­ziert. (2) Der Stadt­for­scher Nitin Bath­la von der Dozen­tur Sozio­lo­gie zeig­te einen Tep­pich, in dem Tex­til­ar­bei­te­rin­nen, die in  einer dich­ten Sied­lung an der Peri­phe­rie von Delhi leben, ihre eige­ne Situa­ti­on dar­stel­len. (3) Das Archi­tek­tur­kol­lek­tiv 8000.Agency prä­sen­tier­ten Fund­stü­cke des Abbruchs der 43 Jah­re alten Sied­lung Wydä­cker­ring in Zürich, die der Finan­zia­li­sie­rung des Immo­bi­li­en­sek­tors zum Opfer fiel, und zeig­ten, was statt­des­sen aus die­ser Sied­lung hät­te ent­ste­hen kön­nen. Die­se Aus­stel­lung ist aus einer frei­en Mas­ter­ar­beit an der ETH ent­stan­den. (4) Der Fil­me­ma­cher Tho­mas Imbach zeig­te mit Neme­sis eine fil­mi­sche Instal­la­ti­on zum Abbruch des ein­zig­ar­ti­gen Zürcher Güterbahnhofs, der dem Bau des rie­si­gen Poli­zei- und Jus­tiz­zen­trums Zürich (PJZ) wei­chen musste.

 

Die Pari­ser Kom­mu­ne von 1871

Zwei Ver­an­stal­tun­gen wid­me­ten sich der berühm­ten „Com­mu­ne“ von Paris.

Im Früh­ling 1871 erleb­te Paris einen Umsturz, der noch lan­ge nach­hal­len soll­te – und alle dama­li­gen und vie­le spä­te­re revo­lu­tio­nä­re Akti­vis­tin­nen und Akti­vis­ten begeis­ter­te. Hen­ri Lefeb­v­re bezeich­ne­te sie in sei­nem Buch «La pro­cla­ma­ti­on de la Com­mu­ne» sogar als eine urba­ne Revo­lu­ti­on. Die Ver­an­stal­tung «Urba­ne Kämp­fe» frag­te, was 150 Jah­re spä­ter von die­ser Revo­lu­ti­on übrig­ge­blie­ben ist, und der Stadt­for­scher Klaus Ron­ne­ber­ger, Mit­her­aus­ge­ber der deut­schen Über­set­zung von Lefeb­v­res Buch, dis­ku­tier­te die Hin­ter­grün­de der Commune.