Henri Lefebvre
Henri Lefebvres Theorie der Produktion des Raumes ist eine der wichtigsten zeitgenössischen Beiträge zur Analyse von Urbanisierung und sozialräumlichen Prozessen. Diese Theorie ist von besonderer Bedeutung für die transdisziplinäre Forschung in den Sozialwissenschaften und der Architektur. Die langjährige Beschäftigung der Dozentur Soziologie mit dieser Theorie führte zu zahlreichen Seminaren, Konferenzen und Publikationen. Sie ist auch eine der Schwerpunkte der Lehre und dient als analytische Grundlage für viele Forschungsprojekte des Lehrstuhls.
In seinem Buch «Henri Lefebvre and the Theory of the Production of Space» (Verso, 2022) gibt Christian Schmid einen umfassenden, detaillierten und gründlichen Überblick über Lefebvres Theorie des Raumes und des Urbanen. Es handelt sich um eine aktualisierte und erweiterte Übersetzung des deutschen Buches „Stadt, Raum und Gesellschaft: Henri Lefebvre und die Theorie der Produktion des Raumes“ (Steiner, 2005), fast zwei Jahrzehnte nach dessen Erstveröffentlichung.
Henri Lefebvre gehört zusammen mit seinen Zeitgenossen Michel Foucault und Jean-Paul Sartre zur Generation der grossen französischen Intellektuellen und Philosophen. Seine Theorie hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Renaissance erlebt und wird heute in vielen Disziplinen der Geistes- und Sozialwissenschaften diskutiert und angewendet, insbesondere in den Stadtwissenschaften, der Geographie, der Stadtsoziologie, der Stadtanthropologie, der Architektur und des Städtebaus. Lefebvre ist neben David Harvey einer der führenden und meistgelesenen Theoretiker in diesen Feldern.
Beide Bücher erklären auf leicht verständliche Weise den theoretischen und epistemologischen Kontext von Lefebvres Werk in der französischen Philosophie und in der deutschen Dialektik (Hegel, Marx und Nietzsche) und rekonstruieren detailliert die historische Entwicklung seiner verschiedenen Elemente. Sie geben auch einen Überblick über die Rezeption von Lefebvre und diskutieren eine Vielzahl von Anwendungen dieser Theorie in diversen Forschungsbereichen, wie Stadt- und Regionalentwicklung, Urbanisierung, sozialer Raum und Alltagsleben.
Reading Henri Lefebvre
«Space, Difference, Everyday Life: Reading Henri Lefebvre» (Routledge, 2008), herausgegeben von Kanishka Goonewardena, Stefan Kipfer, Richard Milgrom und Christian Schmid, ist das Ergebnis eines gemeinsamen Projekts einer Gruppe von Forschenden, die sich intensiv mit den theoretischen und epistemologischen Grundlagen von Lefebvres Theorie auseinandergesetzt haben. Sein umfassendes Werk hat zwei Lesarten hervorgebracht: eine politisch-ökonomische und eine eher kulturell orientierte, poststrukturalistisch geprägte. Dieses Buch bringt diese beiden Richtungen zusammen, um die zeitgenössische urbane Frage und die Natur räumlicher sozialer Strukturen besser zu verstehen. Es war der erste umfassende englischsprachige Sammelband zu Lefebvres Denken und er wurde schnell zu einem Klassiker auf diesem Gebiet.
Henri Lefebvre in Sozialwissenschaften und Architektur
Obwohl Lefebvres Theorie seit den 1980er Jahren zu zahlreichen Debatten über die aktuellen Urbanisierungsprozesse angeregt hat, gab es für lange Zeit nur wenige empirische Studien, die auf dieser Theorie basieren. Um diese Frage breiter zu diskutieren, organisierten der Lehrstuhl für Architekturtheorie und die Dozentur Soziologie an der ETH Zürich, die Delft School of Design und die Jan van Eyck Academie in Maastricht zwei Konferenzen: «Rethinking Theory, Space and Production: Henri Lefebvre Today» (TU Delft, 11.–13. November 2008) und «Architecture and Social Sciences: Urban Research and Design beyond Henri Lefebvre» (ETH Zürich, 24.–26. November 2009). Beide Konferenzen konzentrierten sich auf die Anwendung und Weiterentwicklung von Lefebvres Theorie in der heutigen empirischen Stadtforschung. Sie fanden grosse internationale Beachtung und versammelten Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen, darunter Architektur, Städtebau, Soziologie, Geografie und Politikwissenschaften.
Ermutigt durch das grosse internationale Interesse an den beiden Konferenzen sowie durch die hohe Qualität der Vorträge, starteten Łukasz Stanek, Christian Schmid und Ákos Moravánszky das Buchprojekt: «Urban Revolution Now: Henri Lefebvre in Social Research and Architecture» (Ashgate, 2014). Es vereint eine Auswahl der Konferenzbeiträge mit neu in Auftrag gegebenen Essays. Das Ziel dieses Sammelbands war es, Lefebvres Theorie über die Grenzen der aktuellen theoretischen Debatten hinaus weiterzuentwickeln, einen allgemeinen theoretischen und methodologischen Rahmen für die Analyse zeitgenössischer Urbanisierungsprozesse zu schaffen und neue Planungs- und Entwurfsinstrumente als Antwort auf die aktuellen urbanen Herausforderungen zu konzipieren.









